Pax Christi Präsident kritisiert Segnungsverbot

Mainz/Berlin. Der Präsident von Pax Christi Deutschland, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, hat das Nein aus dem Vatikan zur Segnung homosexueller Paare kritisiert. Das Segnungsverbot der Glaubenskongregation habe viele Menschen verletzt, nicht nur Betroffene, betonte Kohlgraf in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung der katholischen Friedensbewegung. „Auch aus meinem eigenen Bekanntenkreis verlassen deshalb Menschen die Kirche.“

Bischof Peter Kohlgraf (Foto: Bistum Mainz)

Kohlgraf kritisierte, dass die Vielfalt der Identitäten homosexueller Menschen nicht gewürdigt werde. „Sie fühlen sich auf eine bestimmte Kategorie reduziert, echtes Verstehen-Wollen erleben sie nicht.“ Zudem erlebten sie, dass ihre Lebensform als „sündhaft“ gesehen werde. „Wenn kirchliche Lehre als ‚gewaltsam‘ erfahren wird, darf ich als Bischof nicht schweigen“, betonte Kohlgraf. Er forderte ein Umdenken der Kirche auch in puncto Sprache: „Gerade jetzt, wo wir sensibler werden für den ganzen Bereich von geistlicher Übergriffigkeit, sollten wir behutsam unsere Sprachgewohnheiten überprüfen.“

Andere nicht etikettieren

Der Bischof bezog sich damit auf den Ansatz der „gewaltfreien Kommunikation“. Dazu gehört demnach, andere nicht zu etikettieren oder zu bewerten, sondern ihnen respektvoll zu begegnen und die Vielfalt ihrer Persönlichkeit ernst zu nehmen.

Am 16. März hatte die Glaubenskongregation im Vatikan erklärt, die katholische Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen und könnten daher nicht gesegnet werden. Die Erklärung löste eine kontroverse Debatte aus und sorgte vielfach für Unverständnis und Kritik.

kna
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