Overbeck: Ukraine das Recht auf Widerstand nicht absprechen

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat das Recht der Ukraine auf militärischen Widerstand gegen den russischen Angriff verteidigt.
Berlin – Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat das Recht der Ukraine auf militärischen Widerstand gegen den russischen Angriff verteidigt. "Pazifismus darf nicht politisch oder religiös verordnet werden", betonte er am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in der Berliner Katholischen Akademie. Ein christlich oder auch anders begründeter Verzicht auf jegliche Gewalt gegen einen Angreifer müsse eine individuelle Entscheidung bleiben.

Bischof Overbeck –Foto: Alexandra Roth | Bistum Essen

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat das Recht der Ukraine auf militärischen Widerstand gegen den russischen Angriff verteidigt. „Pazifismus darf nicht politisch oder religiös verordnet werden“, betonte er am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in der Berliner Katholischen Akademie. Ein christlich oder auch anders begründeter Verzicht auf jegliche Gewalt gegen einen Angreifer müsse eine individuelle Entscheidung bleiben.

Overbeck bekräftigte seine Kritik an der Unterstützung des Angriffskriegs durch den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. Dessen Begründung, dass die Politik seines Landes damit dem „westlichen Werteverfall“ entgegentrete, sei „auf keinen Fall gerechtfertigt“. Der Militärbischof bezeichnete es als „extrem gefährlich“, wenn sich wie im Falle des nationalistischen Kurses von Russland „Staat und Kirche wechselseitig instrumentalisieren“. Stattdessen müssten „alle Christen mit einer Stimme für den Frieden eintreten“.

Der Essener Bischof bezeichnete den Ukraine-Konflikt als einen „Systemkrieg„, in dem es auch um die westliche Werteordnung mit ihrer Hochschätzung von Frieden, Freiheit und Menschenrechten gehe. Die rund 170 evangelischen und katholischen Militärseelsorgerinnen und -seelsorger sollten diese Wertebasis etwa in ihrem Lebenskundlichen Unterricht für Soldatinnen und Soldaten so thematisieren, „dass möglichst viele einen Zugang dazu haben“. Das betonte Overbeck vor allem mit Blick darauf, dass viele Bundeswehrangehörige keiner Kirche angehören.

Der Militärbischof betonte weiter, dass der sich verschärfende Ost-West-Konflikt für viele Soldatinnen und Soldaten „seelisch sehr belastend“ sei, weil sie sich mit Szenarien des Falles auseinandersetzen müssten, dass Russland einen Nato-Staat angreift.

Overbeck würdigte die „Tapferkeit der Ukrainerinnen und Ukrainer“ und nannte sie ein „Lebensbeispiel“ für die Gesellschaften in anderen Staaten. Er äußerte die Vermutung, dass der Krieg auch vom Westen in Zukunft „im wirtschaftlichen Sinne mehr Tapferkeit verlangen“ werde. Overbeck sprach bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Friedensethik und Militärseelsorge“ des Berliner Zentrums für Intellektuelle Diaspora an der Akademie.

kna