#OutInChurch: Vatikan-Schreiben keine Kurskorrektur

Die deutsche Initiative #OutInChurch reagiert skeptisch auf die Erklärung „Fiducia supplicans“ zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren.
Die deutsche Initiative #OutInChurch reagiert skeptisch auf die Erklärung „Fiducia supplicans“ zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

–Symbolfoto:Trey_Musk/Pixabay

Die deutsche Initiative #OutInChurch reagiert skeptisch auf die Erklärung Fiducia supplicans zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Die Erklärung wirke „wie ein unerwartetes und vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“. Bei aller Freude über diesen vermeintlichen Fortschritt bleibe aber „festzustellen, dass es sich tatsächlich doch nur um einen eher kleinen Schritt handelt. Immerhin geht er in die richtige Richtung“, heißt es in einer am Montagabend veröffentlichten Stellungnahme der Initiative, in der drei Vorstandsmitglieder zu Wort kommen.

#OutInChurch: Vatikan-Schreiben Fortsetzung der bestehenden Diskriminierung

Dem Papier sei zu wünschen, dass es eine Eigendynamik entwickele, „die letztlich sichtbar macht, dass die herkömmliche Lehre keine Akzeptanz mehr findet und geändert werden muss. Aus unserer queeren Perspektive lesen wir die vorgelegten Regelungen aber als eine Fortsetzung der bestehenden Diskriminierung, einmal mehr geschönt mit einem pinkgewaschenen pastoralen Scheinheiligenschein.“

Das vatikanische Schreiben sei keineswegs als Kurskorrektur im Blick auf die Lehre der Kirche einzustufen. Die sei auch gar nicht seine Absicht. „Die Regelungen sind eher Hinweise zur Praxis der Seelsorge. Denn weiterhin gilt jede Form von Beziehung und Sexualität, die nicht heterosexuell in einer sakramentalen Ehe gelebt wird, als schwere Sünde und kann nicht öffentlich gesegnet werden. Ein kirchliches Segnungsritual in einem feierlichen Gottesdienst anlässlich einer standesamtlichen Trauung ist auch weiterhin nicht vorgesehen“, sagte Jens Ehebrecht-Zumsande aus dem Vorstand von OutInChurch. 

Klare Absage an die Erstellung liturgischer Vorlagen

Die klare Absage an die Erstellung liturgischer Vorlagen und Formulare durchkreuzte auch die Bemühungen um klare liturgische Formen und eine entsprechende Gestaltung, die in der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges in Deutschland bereits weit fortgeschritten sind. Was zukünftig möglich sein soll, entspricht in etwa dem, was im vergangenen Jahr auch die flämischen Bischöfe vorgelegt haben: eine Segnung im Kontext der Seelsorge, abseits der Öffentlichkeit. Dies unterläuft aber auch der Intention von Segnungen von Menschen in ihren gemeindlichen Kontexten, Segen ist nicht für die stillen Kammer gemeint. Dies wirkt wie ein Ja, aber Nein“, zitiert die Stellungnahme Gunda Werner.

Für vatikanische Verhältnisse und in einer weltkirchlichen Perspektive möge die Erklärung laut Eva Dreier „tatsächlich ein großer Schritt nach vorne sein. Wir erkennen an, dass dies immerhin ein deutliches Signal des Papstes an all diejenigen ist, die jede Diskussion über eine Weiterentwicklung der Sexualmoral strikt ablehnen und schon in dieser Form der Segnung den Untergang des Katholizismus vermuten.“