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Demos und Appelle am Weltfrauentag

„Wir sind die Veränderung“

Grafik: Kfd-Bundesverband

Mehr Gleichberechtigung in Gesellschaft und Kirche, faire Bezahlung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Zum Weltfrauentag haben Politiker, Protestgruppen innerhalb der Kirche und zahlreiche Verbände nachdrücklich für die Anliegen von Frauen geworben.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte in ihrer neuen Videobotschaft, trotz Fortschritten bei Gleichberechtigung und Gleichstellung sei noch viel zu tun. Sie wünsche sich beispielsweise, dass sich Männer stärker in die Familienarbeit einbringen, damit es auch in der Berufswelt eine Gleichberechtigung geben könne. Hier habe bereits das Elterngeld geholfen: 2018 hätten es 36 Prozent der Väter in Anspruch genommen, zehn Jahre zuvor seien es nur 21 Prozent gewesen.

Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kündigte an: „2020 wird im Bund das Jahr der Gleichstellung.“ So solle zum ersten Mal eine Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung auf den Weg gebracht werden. Auch werde das 120 Millionen Euro Bundesprogramm „Gegen Gewalt an Frauen“ gestartet. Die Ministerin erklärte, dass sie ab Sommer die deutsche EU-Ratspräsidentschaft nutzen wolle, um die Gleichstellung in Europa voranzubringen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verwies auf Benachteiligungen von Frauen weltweit. „Wir brauchen endlich faire Arbeitsbedingungen auch am Anfang unserer Lieferketten, damit Frauen selbst über ihr Leben bestimmen und ihre Familien ernähren können.“ Allein im Textilbereich arbeiteten weltweit 60 Millionen Frauen in Nähereien und Färbereien: „oft 14 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Und das für einen Hungerlohn“.

Guterres: „Jahrhundert der Gleichstellung von Frauen“

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte ein „Jahrhundert der Gleichstellung von Frauen“. Er bezeichnete die „Ungleichheit der Geschlechter“ in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ als „die überwältigende Ungerechtigkeit unserer Zeit und die größte Herausforderung für die Menschenrechte“.

In mehreren Städten im In- und Ausland demonstrierten Frauen für eine geschlechtergerechte Kirche. Sie forderten etwa die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern und die Aufhebung des Pflichtzölibats. In Köln etwa kamen rund 700 Menschen bei einem Sternmarsch zum Dom zusammen. Sie hatten Transparente mit Aufschriften wie „Wir sind die Veränderung“ und „Maria schweige nicht“ dabei. In München gingen etwa 300 Frauen – und einige Männer – auf die Straße und „umarmten“ zum Abschluss den Liebfrauendom. Die internationalen Aktionen wurden von den Netzwerken „Voices of Faith“ und Catholic Women’s Council (CWC) koordiniert, zu dem auch KDFB, kfd und Maria 2.0 zählen.

Indult: Sonderlaubnis für Frauendiakonat

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, sagte WDR5, er halte eine Sondererlaubnis für den Frauendiakonat für nicht ausgeschlossen. Ein sogenannter Indult könnte als ein Beschluss am Ende des Reformdialogs Synodaler Weg innerhalb der katholischen Kirche stehen.

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick will sich für Rechte und Gleichbehandlung von Frauen einsetzen. Allerdings wisse er, dass dies einem katholischen Bischof nicht ohne Weiteres abgenommen werde, „wofür ich Verständnis habe“, so Schick auf Facebook. „Ich tue es trotzdem, besonders als Weltkirchenbischof.“

Von Leticia Witte (KNA)
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