Telefonseelsorge: Gesprächsbedarf für Ukrainekrieg hoch

Der Ukrainekrieg ist inzwischen eins der wichtigsten Gesprächsthemen bei der Telefonseelsorge. Rund 20 Prozent der bundesweit knapp 3.000 täglichen Anrufe drehten sich um dieses Thema.
Bochum/Bonn – Der Ukrainekrieg ist inzwischen eins der wichtigsten Gesprächsthemen bei der Telefonseelsorge. Rund 20 Prozent der bundesweit knapp 3.000 täglichen Anrufe drehten sich um dieses Thema, sagte der Leiter der Bochumer Telefonseelsorge, Ludger Storch, am Donnerstag auf Anfrage. Storch ist bei der Telefonseelsorge Deutschland (TSD) der Beauftragte für Statistik.

(Symbolfoto: Niek Verlaan/Pixabay)

Der Ukrainekrieg ist inzwischen eins der wichtigsten Gesprächsthemen bei der Telefonseelsorge. Rund 20 Prozent der bundesweit knapp 3.000 täglichen Anrufe drehten sich um dieses Thema, sagte der Leiter der Bochumer Telefonseelsorge, Ludger Storch, am Donnerstag auf Anfrage. Storch ist bei der Telefonseelsorge Deutschland (TSD) der Beauftragte für Statistik.

Der Anstieg ist nach seinen Angaben vor allem seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar zu verzeichnen. Es habe aber auch schon in den Wochen zuvor Gespräche gegeben, in denen die Krise in der Ukraine Thema gewesen sei. Die Gesamtzahl der Anfragen an die Telefonseelsorge habe seitdem jedoch nicht signifikant zugenommen. Telefonisch meldeten sich überwiegend Menschen der mittleren und älteren Generation, bei Chat und Mail seien eher Menschen zwischen 20 und 40 Jahren vertreten.

Inhaltlich gebe es sehr unterschiedliche Anliegen, sagte Storch: Während ältere Menschen auf Grund der eigenen Kriegserfahrungen teils in Panik verfielen, fürchteten andere sich nur aufgrund der medialen Berichterstattung und wüssten nicht, wie sie sich bei einer Ausweitung des Krieges auf Deutschland schützen sollen. Wieder andere berichteten von ihren Hilfsversuchen. „Es schwingt sehr viel Mitleid und Sorge mit und der Wunsch, sich für den Frieden und die Freiheit der Menschen in der Ukraine zu engagieren, sowie Anerkennung für jene, die in Friedensdemos auf die Straßen gehen“, sagte Storch. „Auch melden sich Menschen, die mit russischstämmigen Menschen in Kontakt sind, deren Weltsicht sie nicht verstehen.“

Für die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge gibt es laut Storch verschiedene Möglichkeiten, mit den Ängsten der Gesprächspartner umzugehen: Zum einen könnten sie über ihr persönliches Befinden sprechen. Zum anderen könnten sie insbesondere den Menschen, die sonst wenig Kontakte zum Austausch haben, klar machen, dass Ängste und Nöte „normal“ seien und man diese in der gegenwärtigen Situation mit vielen Menschen teile.

Auch für viele Mitarbeitende der Telefonseelsorge sei die aktuelle Situation besorgniserregend, erklärte Storch. „Daher erleben wir, ähnlich wie in der ersten Phase der Corona-Pandemie, dass wir auf beiden Seiten des Telefons die Sorgen und Nöte gut nachvollziehen können.“ Hilfreich könne es zudem in manchen Fällen sein, eben nicht vom Ukrainekrieg zu sprechen, sondern das Gespräch bewusst auf ein anderes Thema zu lenken.

kna

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