Kölner Laien weiter unzufrieden mit Missbrauchsaufarbeitung

Unzufriedenheit mit der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln hat die Laienvertretung bekundet.
Köln – Unzufriedenheit mit der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln hat die Laienvertretung bekundet. Der wiedergewählte Vorsitzende des Diözesanrates, Tim Kurzbach, nannte es am Samstag bei der Vollversammlung des Gremiums einen Fehler, dass niemand aus der Kirchenleitung Verantwortung übernommen habe. "Wir sagen das auch in dem Wissen, dass die schreckliche Geschichte des Missbrauchs noch nicht vollständig erzählt ist, dass noch vieles unentdeckt und vor allem nicht aufgearbeitet ist."

Kardinal Rainer Maria Woelki –Foto: rwm

Unzufriedenheit mit der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln hat die Laienvertretung bekundet. Der wiedergewählte Vorsitzende des Diözesanrates, Tim Kurzbach, nannte es am Samstag bei der Vollversammlung des Gremiums einen Fehler, dass niemand aus der Kirchenleitung Verantwortung übernommen habe. „Wir sagen das auch in dem Wissen, dass die schreckliche Geschichte des Missbrauchs noch nicht vollständig erzählt ist, dass noch vieles unentdeckt und vor allem nicht aufgearbeitet ist.“

In Deutschlands mitgliederstärksten katholischen Diözese hat sich vor allem an der Aufarbeitung des Missbrauchs eine Vertrauenskrise entzündet. Deshalb ging Erzbischof Rainer Maria Woelki in eine mehrmonatige Auszeit. Bei seiner Rückkehr Anfang März gab der Kardinal an, dem Papst seinen Rücktritt angeboten zu haben. Zugleich warb er um eine zweite Chance. Über das Rücktrittsgesuch hat der Papst bislang nicht entscheiden. Anfang Mai verteidigte Woelki den Umgang mit Missbrauchsfällen: „Sie können mal auf unsere Internetseite gehen und Sie finden, glaube ich, keine Diözese, die ein so gutes und transparentes Gutachten mit Blick auf Missbrauch veröffentlicht hat wie das Erzbistum Köln“, zitierte der Donaukurier den 65-Jährigen.

Kardinal Woelki spricht sich für „klares Bild von Kirche“ aus

Zum Pfingstfest macht sich der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki unterdessen für ein „klares Bild von der Kirche“ stark. „Seit Monaten führen katholische Christen intensiv eine Diskussion darüber, wie wir heute Kirche sein wollen und was die Kirche ist“, sagte Woelki am Pfingstsonntag im Kölner Dom. Es gelte, immer wieder neu zu bedenken und zu „durchbeten“, was Jesus der Kirche „eingestiftet“ habe. „Nur das schafft nämlich Einheit. Nur das hält uns zusammen. Wie die Kirche nicht von uns geschaffen ist, so wird auch die Einheit der Kirche nicht von uns hergestellt.“ Woelki erläuterte: „Die Kirche ist von Gott geschaffen. Sie ist nicht unser Werk, über das wir zu befinden hätten.“

Jesus habe als Architekt der Kirche auch ihr Gefüge und ihre Ordnung gegeben. Das dreigestufte Amt – also Bischöfe, Priester und Diakone – sei eine Gabe des Heiligen Geistes für seine Kirche, so der Erzbischof. „Jeder Versuch, Kirche und Heiligen Geist voneinander zu trennen oder gar in einen Gegensatz zu bringen, kann sich nicht auf das Zeugnis der Schrift berufen.“ Woelki rief dazu auf, die Kirche anzunehmen, „indem wir die Wahrheit des Glaubens annehmen. Nur so bleiben wir davor bewahrt, in eine Vielzahl von Gruppen auseinander zu fallen und damit die kirchliche Einheit aufzulösen“. Er ermutigte dazu, die Kirche zu lieben „trotz aller menschlichen Schwächen, Fehler und Sünden, mit der wir ihre Schönheit immer wieder beflecken“.

Der Kardinal bezog sich in seiner Predigt mutmaßlich auch auf den Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland – den Synodalen Weg. Seit 2019 beraten deutsche Bischöfe und Laienvertreter über die Zukunft der Kirche, vor allem über die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie über die Rolle von Frauen in der Kirche

rwm/kna