Sternberg fordert Subsidiarität beim Umgang mit Kirchensteuer

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Der frühere Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, will mehr Subsidiarität beim Umgang mit der Kirchensteuer.
Der frühere Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, will mehr Subsidiarität beim Umgang mit der Kirchensteuer.

Thomas Sternberg (Foto: © Synodaler Weg/Malzkorn)

Der frühere Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, will mehr Subsidiarität beim Umgang mit der Kirchensteuer.  Dass diese Einnahmen nicht mehr wie früher an die Pfarreien, sondern an die Bistümer gingen, habe zu einem enormen Machtzuwachs der Bischöfe und deren seitdem stark gewachsenen Verwaltungen geführt, beklagte Sternberg am Montag in Berlin. Subsidiarität heißt der Grundsatz, nach dem die kleinere Einheit möglichst viel selbst regeln soll und erst bei Problemen die größere Einheit um Hilfe bittet.

Sternberg äußerte sich bei einer Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, der Katholischen Akademie Berlin und der Freiburger “Herder Korrespondenz” unter dem Thema “Glaube und Geld – Perspektiven für die Kirchenfinanzierung”. Nach Sternbergs Auffassung würgen heute “zentralistische Pläne und Verordnungen monströser Verwaltungsapparate” die Subsidiarität in der katholischen Kirche ab. Als Gegenbeispiel nannte er die Schweiz, in der die Pfarreien das Geld erhielten und Teile ihrer Einnahmen für diözesane und überörtliche Zwecke abführten.

Thomas Sternberg sieht weiteres Problem beim Umgang mit Kirchensteuer

Ein weiteres Problem beim Umgang mit der Kirchensteuer sah Sternberg in der Engführung der Kirchenmitgliedschaft auf zahlende Mitglieder. Andere Länder zögen als Grundlage für die Zählung von Christen die Zahl der Getauften heran. Getaufte, die den Kontakt zur Kirche verloren oder bewusst aufgegeben hätten, blieben aber “Subjekte der Seelsorge und des kirchlichen Lebens”, betonte Sternberg. Der Umgang mit Distanzierten und Verbitterten sei nicht zuletzt durch die Schriften von Papst Franziskus in den Mittelpunkt kirchlichen Handelns gerückt worden.

In der Öffentlichkeit habe das Thema der Kirchenfinanzierung inzwischen ein erschreckendes “Verhetzungspotenzial”, so Sternberg. Der Staat alimentiere aber nicht die Kirchen, wie es oft falsch dargestellt werde, sondern ziehe lediglich die Steuern für die Kirchen ein. Dafür erhalte er wiederum einen bestimmten Prozentsatz; 2022 seien es 400.000 Millionen Euro gewesen. Sternberg erinnerte zugleich an den Beitrag der Kirchen für die öffentliche Daseinsvorsorge etwa durch Schulen, Krankenhäuser und Sozialdienste. Dafür werde bis zu einem Drittel der Kirchensteuern aufgewendet. Die Denkmalpflege werde ausschließlich von der Kirche finanziert.

Wesentliche gesellschaftliche Aufgabe

Ferner habe die Kirche eine wesentliche gesellschaftliche Aufgabe. Angesichts eines möglichen Bedeutungsverlustes der Kirchen warnten inzwischen immer mehr Beobachter “vor einem Zusammenbruch der letzten Orientierungs- und Kohäsionsinstanzen in der Gesellschaft”.  Subsidiarität heißt der Grundsatz, nach dem die kleinere Einheit möglichst viel selbst regeln soll und erst bei Problemen die größere Einheit um Hilfe bittet. “Zentralistische Pläne und Verordnungen monströser Verwaltungsapparate” würgten heute die Subsidiarität in der katholischen Kirche ab, so Sternberg. Als Gegenbeispiel verweist er auf die Schweiz, in der die Pfarreien das Geld erhielten und Teile ihrer Einnahmen für diözesane und überörtliche Zwecke abführten. Der Weg von unten nach oben könne “die Zentralisierung und auch die Entfremdung der Zahlenden von der Entscheidung über die Verwendung ihrer Mittel stoppen”.

Der frühere ZdK-Chef Sternberg äußert sich auch in einem Sonderheft der Herder Korrespondenz. Darin geht es unter dem Titel “Über Geld spricht man nicht” um das Thema Kirche und Finanzen.

kna