Nach Insolvenzantrag: KKO gibt Standort auf

Das wirtschaftlich angeschlagen Katholische Klinikum Oberhausen muss nach seinem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung die Infrastruktur komprimieren, um das laut Unternehmensangaben erwartete Defizit von acht Millionen Euro für 2019 künftig vermeiden zu können. Zu diesem Ergebnis kommt der Restrukturierungsplan, dem der Gläubigerausschuss am Mittwoch zugestimmt hat. Am Donnertag wurde die Belegschaft informiert. Demnach wird, wie bereits von Insidern erwartet, das St. Josef-Krankenhaus geschlossen. Außerdem werden Arbeitsplätze abgebaut.

In der Sprache der Pressemitteilung heißt dies, die „medizinischen und pflegerischen Leistungen von drei Standorten“ müssten „räumlich verdichtet werden, auch, um im Sinne der Patientinnen und Patienten mehr Synergiepotenziale zwischen einzelnen Fachabteilungen nutzen zu können“. Jeder der drei Krankenhausstandorte sei diesem Hintergrund analysiert und bewertet worden. Anfang Juli hatte das KKO den Antrag auf ein Eigenverwaltungs-Verfahren gestellt und angekündigt, bis Ende August einen Restrukturierungsplan vorzulegen.

Der Betrieb am KKO geht nach Klinikangaben normal weiter. Hier besprechen sich Chefarzt Dr. Döhrmann (l.) und Chefarzt Dr. Butz (2.v.l) gerade bei einer Visite. (Foto: KKO)

Am heutigen Donnerstag präsentierten Geschäftsführer Christian Eckert und Generalbevollmächtigter Dr. Christoph Niering den Beschäftigten des KKO das Zukunftskonzept. „Wir haben mit hoher Geschwindigkeit und großer Ernsthaftigkeit alle Daten und Fakten ausgewertet. Wie erwartet sehen wir großes Potenzial für das KKO“, erklärte Geschäftsführer Christian Eckert.

Sehr hoher Investitionsbedarf für St. Josef

Vor allem  die Investitionsbedarfe standen bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung im Vordergrund. Allein der Standort St. Josef weist den Angaben zufolge einen Investitionsstau im mittleren zweistelligen Millionenbereich auf. „In Anbetracht des aktuellen Defizits ist das ein Volumen, das wir uns schlicht nicht leisten können“, so Eckert. Deshalb hat das Restrukturierungsteam gestern dem Gläubigerausschuss vorgeschlagen, den Krankenhausstandort St. Josef zu schließen.

Es wird nun gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort vorbereitet, die Abteilungen, die am Krankenhaus St. Josef beheimatet sind, möglichst rasch an die beiden anderen Standorte zu verlegen. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolge die Patientenversorgung vor Ort in uneingeschränktem Umfang weiter. Im Ergebnis soll die Psychiatrie an den Standort St. Marien ziehen, die Neurologie und übrigen somatischen Bereiche an den Standort St. Clemens. „Die dafür erforderlichen konzeptionellen und infrastrukturellen Maßnahmen werden nun mit Hochdruck angegangen und sollen bis Ende des Jahres umgesetzt sein. Wir sind überzeugt, dass die Zweihäusigkeit die medizinisch und wirtschaftlich sinnvollste Option für das KKO ist“, so Eckert.

Suche nach einem starken Partner

Neben den strukturellen Veränderungen müsse das KKO „auch Personalanpassungen“ vornehmen, um zukunftsfähig zu sein. Der Abbau von voraussichtlich rund 240 Arbeitsplätzen werde vorbehaltlich der Verhandlungen mit Betriebsrat und Mitarbeitervertretung geschehen und – wo möglich – über auslaufende Verträge oder natürliche Fluktuation erfolgen. „Für die anstehenden Veränderungen brauchen wir zwingend die Unterstützung der Landesregierung und der Sozialversicherungsträger“, sagte Generalbevollmächtigter Dr. Christoph Niering. Jetzt werde sich zeigen, ob Politik und Kassen den politisch gewollten Konzentrationsprozess auch im konkreten Fall aktiv und zeitnah unterstützen, so Niering weiter.

„Wir sehen die zum Teil schmerzhaften Einschnitte, die wir vornehmen müssen. Aber wir sind uns sicher, mit diesem Weg dem Katholischen Klinikum Oberhausen die beste Zukunftsoption bieten zu können“, sagte Niering das weitere Vorgehen. „Die anstehenden Herausforderungen und insbesondere die Höhe der Investitionssumme machen es aus heutiger Sicht notwendig, hierfür auch einen neuen Partner zu finden“, so Niering. Aus diesem Grunde wurde auch die Suche nach einem Partner intensiviert. Bisher haben schon mehr als 20 kirchliche und nichtkirchliche Träger ihr Interesse bekundet. Mit diesen werden in den kommenden Wochen Gespräche geführt.

Die christliche Krankenhauslandschaft im Ruhrgebiet ist seit Jahren  in Bewegung: Im vorigen Jahr hatte die gut aufgestellte St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH die wirtschaftlich angeschlagenen Katholischen Kliniken Emscher-Lippe (KKEL) durch eine Übernahme vor einer Insolvenz bewahrt. Und in Essen hat die katholische Contilia Gruppe das Katholische Klinikum mit seinen drei Krankenhäusern übernommen. Zuletzt hat das Katholische Klinikum Bochum das evangelische Martin-Luther-Krankenhaus in Wattenscheid übernommen – und arbeitet zudem an seiner Zukunft in einem ökumenischen Verbund.

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