Essens Generalvikar Pfeffer kritisiert „Drohungen“

Der Essener Generalvikar Pfeffer hat die Einwände des Vatikan gegen die geplante Reformdebatte der deutschen katholischen Kirche scharf kritisiert. „Es ist erschreckend: Offenbar ist in Rom immer noch nicht verstanden worden, in welcher gewaltigen Krise die katholische Kirche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit steckt“, schreibt Pfeffer am Freitag in einem Facebook-Beitrag. „Wer heute immer noch glaubt, in der Kirche mit machtvollen Warnungen oder gar Drohungen Diskussionen im Keim zu ersticken, löst kein einziges Problem – im Gegenteil: Zerwürfnisse und Risse werden massiv verstärkt.“

Generalvikar Klaus Pfeffer (Foto: Boris Spernol)

Der Vatikan hat in einem am Freitag bekannt gewordenen Brief sowie in einem Gutachten Vorbehalte zu dem ab Dezember geplanten „synodalen Weg“ der deutschen Bischöfe und des Katholiken-Dachverbands ZdK bekundet. Die Themen beträfen auch die Weltkirche und könnten „mit wenigen Ausnahmen nicht Gegenstand von Beschlüssen und Entscheidungen einer Teilkirche sein“. Bei dem „synodalen Weg“ soll in Folge des Missbrauchsskandals über die Themen Macht, Sexualmoral, priesterliche Lebensform sowie die Rolle von Frauen gesprochen werden.

Die deutschen Bischöfe planten unter dem Begriff des „synodalen Wegs“ in Wahrheit offenbar ein sogenanntes Partikularkonzil, so der Vatikan. Eventuelle synodale Beschlüsse der Deutschen könnten erst nach Prüfung und Anerkennung durch den Papst Gültigkeit erlangen. Auf Kritik stößt auch die Gleichberechtigung von Bischöfen und Laien bei den Abstimmungen. Synodalität in der Kirche sei „kein Synonym für Demokratie oder Mehrheitsentscheidungen“.

Nach den Worten Pfeffers führt eine Verhinderung des Reformdialogs dazu, dass sich immer mehr Menschen „von einer solchen Kirche“ abwendeten. „Unserer deutschen Kirche wünsche ich von Herzen, dass sie den Weg des offenen Dialogs beherzt weitergeht“, so der Geistliche. „Weil wir uns von Gottes Geist getragen und geführt wissen dürfen, brauchen wir Konflikte und die damit verbundenen Auseinandersetzungen nicht zu fürchten.“

Die Deutsche Bischofskonferenz teilte mit, das Gutachten aus Rom beziehe sich auf eine inzwischen überholte Entwurfsfassung der Satzung für den „synodalen Weg“. Einige der kritisierten Textpassagen seien gestrichen worden. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, werde kommende Woche in Rom Gespräche führen, um „etwaige Missverständnisse“ auszuräumen.

kna
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