Bischof Overbeck räumt Fehler des Bistums ein

Bischof Franz-Josef Overbeck hat im Umgang mit einem wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Ruhestandsgeistlichen in der Wattenscheider Gemeinde St. Joseph verheerende Fehler seitens des Bistums Essen eingestanden. „Das war unverantwortlich“, sagte Overbeck am Sonntag zu der Frage, wie der Priester A. ab 2002 habe seinen Ruhestand in Wattenscheid verbringen, gegenüber der St.-Joseph-Kirche wohnen und dort auch seelsorgerisch tätig werden können. „Nur zu sagen, ,Ich schäme mich dafür‘ ist noch zu wenig“, so Overbeck.

(Foto: Oliver Müller | Bistum Essen)

Vor dem Hintergrund der Diskussionen um A. hatte der Bischof die Gemeinde am Sonntag kurzfristig besucht, um mit den Gläubigen Gottesdienst zu feiern und anschließend zu einer Gesprächsrunde in der Kirche zur Verfügung zu stehen. „Ich bitte Sie um Entschuldigung – gewähren können Sie sie“, sagte der Bischof im Gottesdienst. „2002 hat das Bistum eine Entscheidung getroffen – und die war falsch“, betonte Overbeck. „Ein mehrfach verurteilter Missbrauchstäter darf nicht mehr in der Seelsorge tätig werden.“

In einer Fragerunde wurde die große Verunsicherung vieler Gemeindemitglieder deutlich. Sie hatten vor zwei Wochen durch die gemeinsame Veröffentlichung der Bistümer Essen, Münster und Köln, in denen A. tätig war, von der Vergangenheit des Seelsogers erfahren, der bei vielen Gläubigen beliebt war. Overbeck schilderte, wie A. in den 1970er und 1980er Jahren zweimal wegen sexueller Straftaten an Minderjährigen verurteilt worden war.

Der Priester war zunächst mehrfach im Erzbistum Köln, später ins Bistum Münster versetzt worden und hatte 65-Jähriger darum gebeten, den Ruhestand in Bochum-Wattenscheid verbringen zu dürfen. Gemeindemitglieder, denen A. bekannt war und die von den Missbrauchsverurteilungen wussten, hätten damals das Bistum Essen informiert, so Overbeck.

Daraufhin habe das Bistum Essen eine fachärztliche Einschätzung des Geistlichen eingeholt, nach der keinerlei Gefahr mehr von ihm ausgehe. Die Personalverantwortlichen hätten damals die Gemeindeleitung in Wattenscheid informiert, eine Beauftragung zur Mithilfe als Ruhestandsgeistlicher in der Seelsorge erhielt A. nicht.

Aufgrund des ärztlichen Gutachtens sei ihm die Ausübung priesterlicher Dienste jedoch auch nicht generell verboten worden. Bis zu seinem Umzug in ein Seniorenheim im Jahr 2015 übernahm A. deshalb als Ruhestandsgeistlicher priesterliche Dienste in Wattenscheid. Laut Overbeck bestehe bislang kein Grund zur Annahme, dass A. auch in Wattenscheid Missbrauchs-Taten begangen habe.

Bereits Ende voriger Woche hatte Münsters Bischof Felix Genn, der vor seiner Zeit in Münster von 2003 bis 2009 an der Spitze des Ruhrbistums stand, in einem offenen Brief um Entschuldigung gebeten. Es sei „ein verheerender Fehler“ gewesen, dass unter seiner Verantwortung als Bischof von Essen A. in Wattenscheid Seelsorgedienste versehen habe. Genn erklärte, er habe von diesen Fall erst im Mai dieses Jahres erfahren. Er frage sich heute, warum er den Fall nicht wahrgenommen habe. In der WDR-Lokalzeit kritisierte der Bischof den „Apparat“, ihn nicht informiert zu haben. „Ich bin verärgert darüber.“

Auch nach dem Besuch Bischof Overbecks besteht in der Wattenscheider Gemeinde gleichwohl auch nach dem Besuch des Bischofs weiterer Gesprächsbedarf, wie in der Fragerunde in St. Joseph deutlich wurde. Am Mittwoch soll es zu einem weiteren Treffen der Gemeinde am kommenden Mittwoch kommen.

Auch der der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bittet um Vergebung dafür, dass ein zweimal wegen Missbrauchs verurteilter Priester weiter seelsorglich tätig werden konnte. Er wolle „nicht um den heißen Brei herumreden“, so Woelki: „Hier hat ein Priester Menschen schlimmes Leid zugefügt, und seine Vorgesetzten haben es zugelassen, dass er immer wieder mit Menschen in der Seelsorge in Berührung kam“, sagte er am Samstag dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de. Die Zusammenhänge müssten gründlich aufgeklärt werden. „Ich schäme mich für das, was hier geschehen ist“, so der Erzbischof.

Info

Mögliche Opfer können sich bei den Ansprechpersonen des Bistums Essen melden: Angelika von Schenk-Wilms, Tel. (01 51) 57 15 00 84, und Karl Sarholz, Tel. (01 71) 3 16 59 28.
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